„Nullwachstum geht zu Ende“ – 7. Mittelstandskonferenz der gfw
Vertreter des Kreises, der Städte und Gemeinden, der Wirtschaft und Arbeit sind am 18. Juni per Videoübertragung zur 7. Mittelstandskonferenz der gfw zusammengekommen. Die Konferenz ist zu Zeiten der Coronakrise begründet worden. Seitdem sind wirtschaftliche Schwierigkeiten und weltweite Krisen nicht weniger geworden. Es geht weiterhin um Handlungsstrategien zur Krisenabwehr im Sinne der mittelständisch geprägten Unternehmen und Arbeitsplätze, betonte Landrat und gfw-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Olaf Gericke bei seiner Begrüßung der Eingeladenen aus Handel, Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Gewerbe, Gewerkschaften und Arbeitsagentur.
Landrat Dr. Olaf Gericke wies auf die vielen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft hin. Geopolitische Konflikte mit wirtschaftlichen Unsicherheiten setzen der Wirtschaft zu. Das deutsche Exportgeschäft ist weiter rückläufig, die Investitionskrise hält an. Zudem stagnieren privatwirtschaftliche Investitionen. „Wir im Kreis Warendorf sind wirtschaftlich vielfältiger aufgestellt und haben die Probleme noch nicht so stark zu spüren bekommen wie andere Regionen“, sagte der Landrat.
Gast der Mittelstandskonferenz war Dr. Marina Lütje, Volkswirtin und Analystin Makro Research der zu den Sparkassen gehörenden DekaBank. Trotz der bekannten Probleme bezeichnete sie positive Signale: Keine Nullzinspolitik mehr, Arbeitsmärkte nahe der Vollbeschäftigung, Aktienmärkte und Künstliche Intelligenz boomen, Inflation unter Kontrolle, Realeinkommen steigen, Unternehmen anpassungsfähig, Finanzmärkte konstruktiv. „Eine Rezession der Weltwirtschaft ist nicht in Sicht“, sagte sie. Mit dem Ende des Krieges zwischen USA und Iran gebe es neue hoffnungsvolle Zeichen. „Auch die deutsche Wirtschaft berappelt sich, das Nullwachstum neigt sich dem Ende zu“, sagte Lütje. Aber die Attraktivität des Standortes Deutschland sei „immer noch nicht auf dem Level, dass die Unternehmen durchstarten.“ Aktionäre können sich laut Lütje auf steigende Kurse freuen, sofern die Weltwirtschaft rund läuft. Das werde auch in Prognosen für den deutschen Leitindex DAX deutlich, da die dort gelisteten Großunternehmen 80 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands tätigen. Für Aktien und Rentenpapiere blieben allerdings diversifizierte Anlagen sinnvoll.
Eine spannende Frage bleibt aus Sicht von Peter Scholz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Münsterland Ost, „wie wir die positiven Zeichen der Weltwirtschaft in den Kreis Warendorf bekommen.“ Beckums Bürgermeister Michael Gerdhenrich wies darauf hin, dass die positiven Wirtschaftssignale in Deutschland noch durch die allseits für erforderlich gehaltenen politischen Reformen verstärkt werden könnten. Zu seiner Frage nach der wirtschaftlicher Zukunftsstruktur gab Referentin Lütje den Rat, Dienstleistungen und Technologie nicht zu vernachlässigen. Aus Sicht von Joachim Fahnemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, gibt es im Kreis Warendorf zwar Belastungen des Arbeitsmarktes, aber keine generell krisenhafte Entwicklung. Aus Handwerk und Industrie war von rückläufigen Auszubildendenzahlen zu hören, nicht aber von weniger Ausbildungsbetrieben.
Landrat Gericke und gfw-Geschäftsführerin Petra Michalczak-Hülsmann kündigten die 8. Mittelstandskonferenz bereits für die zweite Jahreshälfte an, um vor allem von Unternehmern zu erfahren, ob und wie die positiven Weltwirtschaftszeichen im Kreis Warendorf ankommen.